Kaum ein Argument wird im Kollagenmarkt so oft wiederholt wie dieses: Marines Kollagen sei bioverfügbarer als bovines. Wer genauer hinschaut, merkt schnell, dass die Datenlage eine andere Geschichte erzählt.
Warum marines Kollagen als überlegen gilt
Die Behauptung klingt einleuchtend: Fischkollagen hat von Natur aus kleinere Peptide, also wird es schneller und besser aufgenommen. Das stimmt sogar – aber nur für den Rohstoff vor der Verarbeitung. Die meisten Kollagensupplemente werden enzymatisch hydrolysiert, also in kleine Peptidfragmente zerlegt. Und genau an diesem Punkt löst sich der vermeintliche Vorteil in Luft auf.
Was die Biologie sagt: Mensch und Rind sind sich ähnlicher als Mensch und Fisch
Hier lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und eine grundsätzliche Frage zu stellen: Wenn unser Körper Kollagenpeptide als Signalmoleküle nutzt, die bestimmte Zellen zur Kollagensynthese anregen sollen – wäre es dann nicht logisch, dass Peptide von einem Tier, das uns biologisch ähnlicher ist, auch besser erkannt werden?
Genau das zeigt die Forschung. Eine In-silico-Analyse der Kollagen-Aminosäuresequenzen verschiedener Tierarten ergab, dass Kollagenpeptide von Säugetieren aufgrund der hohen Homologie ihres Ursprungsproteins sehr ähnliche Bioaktivitäten aufweisen. Kollagenpeptide von Fisch und Huhn zeigten dagegen ein abweichendes Profil. Kollagen von Warmwasserfischen wies dabei mehr Ähnlichkeiten zu Säugetier-Kollagen auf als Kollagen von Kaltwasserfischen, was die These weiter stützt.
Das ergibt biologisch Sinn: Der Mensch ist ein Säugetier mit einer Körpertemperatur von 37 °C. Rinder teilen diese Physiologie. Fische sind Kaltblüter, deren Gewebe an andere Temperaturbereiche angepasst ist. Die Peptidfragmente, die beim Abbau von bovinem Kollagen entstehen, ähneln stärker den Fragmenten, die unser eigener Körper produziert und als Signale für Fibroblasten, Chondrozyten und Osteoblasten erkennt.
Hydroxyprolin: die Aminosäure, auf die es ankommt
Hydroxyprolin (Hyp) ist die Schlüssel-Aminosäure in der Kollagenforschung. Sie stabilisiert die Tripelhelix des Kollagenmoleküls und ist gleichzeitig der wichtigste Biomarker für die Kollagenaufnahme im Blut. Die bioaktiven Dipeptide Pro-Hyp und Hyp-Gly, die nach der Verdauung im Blutplasma nachweisbar sind, dienen als Signalmoleküle, die Hautzellen zur Kollagenproduktion anregen.
Und hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied: Bovines Kollagen enthält von Natur aus rund 30 % mehr Hydroxyprolin als Fischkollagen. Bei Kaltblütern aus kaltem Wasser ist der Unterschied noch grösser. Weniger Hydroxyprolin im Ausgangsmaterial bedeutet weniger dieser Signalpeptide pro Gramm, die nach der Verdauung im Blut ankommen und ihre Wirkung entfalten können.
Warum marines Kollagen selten pur verkauft wird?
Wer schon einmal pures Fischkollagen probiert hat, weiss: Der Geschmack und Geruch sind eine Herausforderung. Marines Kollagen hat von Natur aus eine deutlich stärkere Eigengeschmacksnote als bovines. Hochwertiges Rinderkollagen-Hydrolysat ist dagegen nahezu geschmacks- und geruchsneutral, löst sich klar in Wasser und lässt sich problemlos in Kaffee, Smoothies oder Müsli einrühren, ohne den Geschmack zu verändern.
Das ist auch der Grund, warum die meisten marinen Kollagenprodukte auf dem Markt nicht pur angeboten werden. Sie werden fast immer mit Aromen, Süssungsmitteln, Fruchtzusätzen oder Vitaminen kombiniert, um den Fischgeschmack zu überdecken. Das ist nicht per se schlecht, aber es bedeutet zweierlei: Erstens enthält das fertige Produkt weniger reines Kollagen pro Portion, weil ein Teil des Gewichts auf Zusatzstoffe entfällt. Zweitens lässt sich schwerer beurteilen, was man tatsächlich zu sich nimmt – und ob die beworbene Kollagenmenge auch wirklich als reines Kollagenpeptid vorliegt.
Wer ein Kollagenprodukt sucht, das sich flexibel und geschmacksneutral in den Alltag integrieren lässt, ohne Zucker, Aromen oder Füllstoffe, hat es mit bovinem Kollagen deutlich einfacher. Und genau das war auch einer der Gründe, warum wir bei Vitalkollagen auf hochwertige bovine Kollagenpeptide setzen: maximale Reinheit, kein Eigengeschmack, keine Kompromisse bei der Zusammensetzung.
Warum Fischkollagen instabiler ist als Kollagen vom Rind
Die Denaturierungstemperatur von Kollagen – also die Temperatur, bei der die Tripelhelix ihre Struktur verliert – korreliert direkt mit dem Hydroxyprolin-Gehalt. Bovines Kollagen denaturiert erst bei etwa 40 °C, Fischkollagen aus Kaltwasserfischen bereits bei 15 bis 25 °C. Selbst Warmwasserfisch-Kollagen liegt nur bei etwa 30 °C.
Das ist kein Zufall, sondern Biologie: Ein Fisch, der in 10 °C kaltem Wasser lebt, braucht kein Kollagen, das bei 37 °C stabil ist. Seine Gewebe sind an niedrigere Temperaturen angepasst, was sich in einem geringeren Gehalt an den stabilisierenden Iminosäuren Prolin und Hydroxyprolin widerspiegelt.
Dieses „weichere“ Kollagen lässt sich zwar leichter in kleine Peptide zerlegen, was die oft zitierte bessere Verarbeitbarkeit erklärt. Aber es enthält von Natur aus weniger der strukturstabilisierenden und bioaktiven Komponenten, auf die es bei der Supplementierung ankommt.
Was bedeutet „instabiler" praktisch? Wird weniger aufgenommen?
Diese Frage erreichte uns neulich.
Auf den ersten Blick könnte man denken: Wenn Fischkollagen instabiler ist, müsste es doch leichter verdaut und damit besser aufgenommen werden. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ein instabileres Kollagen bedeutet, dass die Tripelhelix bereits bei niedrigen Temperaturen zerfällt. Im Magen-Darm-Trakt herrschen 37 °C. Fischkollagen ist bei dieser Temperatur längst denaturiert, bevor die Verdauungsenzyme ihre Arbeit gezielt beginnen können. Das führt dazu, dass die Peptidbindungen unkontrollierter gespalten werden. Die Folge: Es entstehen weniger der spezifischen bioaktiven Dipeptide wie Pro-Hyp und Hyp-Gly, die als Signalmoleküle für die Kollagensynthese entscheidend sind, und mehr unspezifische Bruchstücke, die der Körper einfach als Aminosäuren verstoffwechselt.
Bovines Kollagen mit seiner höheren Denaturierungstemperatur behält dagegen eine stabilere Struktur, die von den Verdauungsenzymen gezielter an den richtigen Stellen gespalten wird. Das erklärt auch, warum die Virgilio-Studie beim Gesamt-Hydroxyprolin (frei + peptidgebunden) für Schwein und Rind tendenziell höhere Werte zeigte als für Fisch: Ein größerer Anteil des aufgenommenen Hydroxyprolin lag in bioaktiver Peptidform vor, nicht als freie Einzelaminosäure.
Kurz gesagt: Instabiler heißt nicht besser absorbierbar. Es heißt weniger kontrollierter Abbau und weniger der Peptide, die tatsächlich etwas bewirken.
Der Bioverfügbarkeits-Vergleich: Was die Studien tatsächlich zeigen
Die bislang umfassendste Vergleichsstudie zur Bioverfügbarkeit verschiedener Kollagenquellen stammt von Virgilio, Schön und Kollegen, veröffentlicht 2024 in Frontiers in Nutrition. In dieser randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie erhielten gesunde Probanden jeweils 10 g Kollagenhydrolysat aus vier verschiedenen Quellen: Fischhaut, Schweinehaut, Rinderhaut (niedermolekular, 2.000 Da) und Rinderhaut (hochmolekular, 5.000 Da). Anschliessend wurde über sechs Stunden die Plasmakonzentration von freiem und peptidgebundenem Hydroxyprolin sowie fünf spezifischen Kollagenpeptiden per LC-MS/MS gemessen.
Das Ergebnis: Bei der Bioverfügbarkeit von freiem Hydroxyprolin gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den vier Produkten. Alle Kollagenhydrolysate, unabhängig von der Quelle und dem Molekulargewicht, lieferten vergleichbare Plasmaspiegel. Beim Gesamt-Hydroxyprolin (frei + peptidgebunden) zeigte Schweinkollagen sogar signifikant höhere Werte als Fischkollagen (1,2-fach; P = 0,029).
Besonders aufschlussreich: 36 bis 47 % des gesamten Hydroxyprolin im Blut lag in peptidgebundener Form vor. Das bestätigt, dass Kollagenhydrolysate nicht einfach zu Einzelaminosäuren zerlegt werden, sondern als bioaktive Di- und Tripeptide in den Blutkreislauf gelangen, wo sie ihre Signalfunktion ausüben können.
Auch beim Vergleich der Molekulargewichte gab es keine relevanten Unterschiede bei den gemessenen Einzelpeptiden: Bovines Kollagen mit 2.000 Da und 5.000 Da lieferte vergleichbare Peptidspiegel im Blut. Der oft zitierte Bioverfügbarkeitsvorteil kleinerer Peptide relativiert sich also deutlich.
Klinische Evidenz: Wo stehen bovine und marine Peptide wirklich?
Die am besten untersuchten Kollagenpeptide stammen aus bovinen Quellen. VERISOL® wurde in mehreren randomisierten, placebokontrollierten Studien für sichtbare Hautverbesserungen getestet – mit nur 2,5 g pro Tag. FORTIBONE® zeigte in einer Studie mit 131 postmenopausalen Frauen signifikante Verbesserungen der Knochenmineraldichte über vier Jahre. FORTIGEL® ist der Standard für Gelenk-Kollagenpeptide.
Marine Kollagenstudien zeigen ebenfalls positive Ergebnisse, sind aber kleiner, weniger standardisiert und oft nicht an ein spezifisches Peptidprofil gebunden. Die erste große Head-to-Head-Vergleichsstudie (BECOME Study, NCT06603194) rekrutiert derzeit und wird bovines gegen marines Kollagen gegen Placebo testen. Ergebnisse stehen noch aus.
Fazit: Nicht die Quelle entscheidet, sondern die Peptidqualität
Die Behauptung, marines Kollagen sei grundsätzlich bioverfügbarer, hält der wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Bei gleichem Hydrolysierungsgrad zeigen Fisch-, Schweine- und Rinderkollagen vergleichbare Bioverfügbarkeitswerte im menschlichen Blut.
Was tatsächlich zählt, ist die Peptidqualität: der Hydroxyprolin-Gehalt, das Molekulargewicht nach der Hydrolyse und die spezifische Peptidstruktur, die bestimmt, welche Zellen im Körper angesprochen werden. Bovines Kollagen punktet hier mit höherer Sequenzhomologie zum menschlichen Kollagen, einem natürlicherweise höheren Hydroxyprolin-Gehalt und der breitesten klinischen Datenbasis. Wer Kollagen supplementiert, sollte die Marketingnarrative hinterfragen und auf das schauen, was die Forschung tatsächlich zeigt.
Dazu kommt ein ganz praktischer Aspekt: Hochwertiges bovines Kollagen-Hydrolysat ist nahezu geschmacks- und geruchsneutral. Es lässt sich pur in Wasser, Kaffee oder Smoothies einrühren, ohne den Geschmack zu verändern. Marines Kollagen hat dagegen eine deutliche Eigengeschmacksnote, weshalb die meisten Fischkollagen-Produkte auf dem Markt mit Aromen, Süssungsmitteln und Zusatzstoffen versetzt werden. Das bedeutet weniger reines Kollagen pro Portion und eine schwerer zu beurteilende Zusammensetzung.
Die regelmäßige Einnahme von Vitalkollagen kann helfen, sowohl Gelenke als auch Haut zu verbessern. Hinzu kommt die Peptidkomponente für den Muskel, was das Produkt einzigartig macht.
Wer Kollagen supplementiert, sollte die Marketingnarrative hinterfragen und auf das schauen, was die Forschung tatsächlich zeigt: Entscheidend sind die Peptidstruktur, der Hydroxyprolin-Gehalt, der Hydrolysierungsgrad und die Reinheit des Produkts. Nicht das Etikett „marin“ oder „bovin“.
Hier kannst du die Infografik zu der Studie herunterladen.
Virgilio, Schön et al. (2024), die bislang einzige doppelblinde Crossover-Studie, die Fisch, Schwein und Rind in einem einzigen Studiendesign vergleicht. Mit allen Kerndaten: 4 Gruppen, freies Hyp (kein signifikanter Unterschied), Gesamt-Hyp (Schwein > Fisch), und die einzelnen bioaktiven Peptide.
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Referenzen:
Quellen: Virgilio N, Schön C et al. Absorption of bioactive peptides following collagen hydrolysate intake: a randomized, double-blind crossover study in healthy individuals. Front Nutr. 2024;11:1416643. PMID: 39149544. Qi C et al. Bioactivity of collagen peptides derived from commercial animals: In silico investigation. J Food Science. 2023. Gauza-Włodarczyk M et al. Amino acid composition in determination of collagen origin. Int J Biol Macromol. 2017;104:987-991. PMID: 28687386. Akita M et al. Correlation of proline, hydroxyproline and serine content, denaturation temperature and circular dichroism analysis of type I collagen. Food Chem. 2020;329:126775. PMID: 32512387.
